Inventurwoche in Chemnitz: Tobias arbeitet als Lagerist mit 40 Stunden Soll. In der Inventurwoche kommen 46 Stunden 30 Minuten zusammen. Sein Stundenlohn: 17,20 €, laut Tarifvertrag gibt es 25 % Zuschlag.
46:30 − 40:00 = 6:30 Überstunden = 6,5 Stunden
Grundvergütung: 6,5 × 17,20 € = 111,80 €
Zuschlag: 25 % von 111,80 € = 27,95 €
Zusammen: 139,75 € brutto
Gibt es einen gesetzlichen Überstundenzuschlag?
Nein – ein Anspruch auf Zuschlag besteht nur, wenn Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung ihn vorsehen. Üblich sind 25 %, manche Tarife zahlen ab der dritten Überstunde oder für Samstage mehr. Gesetzlich geregelt sind dagegen Ausgleiche für Nachtarbeit (§ 6 Abs. 5 ArbZG: „angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder ein angemessener Zuschlag“). Steht nichts im Vertrag, ist die Überstunde mit dem normalen Stundenlohn zu bezahlen oder in Freizeit auszugleichen.
Bezahlt oder abgefeiert?
Ob Überstunden ausgezahlt oder als Freizeit ausgeglichen werden, regelt der Vertrag. Viele Betriebe führen ein Arbeitszeitkonto: Plusstunden werden gesammelt und später in freien Tagen genommen. Eine Klausel wie „Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten“ ist nur wirksam, wenn klar erkennbar ist, wie viele Stunden gemeint sind – etwa „bis zu 10 Überstunden im Monat“. Pauschale Formulierungen ohne Grenze halten vor Gericht häufig nicht. Bei Spitzenverdienern oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung sieht die Rechtsprechung das großzügiger.
Minusstunden: wenn das Soll nicht erreicht wird
Hat Nina bei 160 Monatsstunden Soll nur 152:15 Stunden gearbeitet, ergibt der Rechner −7:45, also 7 Stunden 45 Minuten Minusstunden. Ob sie diese nacharbeiten muss, hängt vom Grund ab. Schickt der Arbeitgeber sie wegen fehlender Aufträge früher heim, trägt er das Risiko – die Stunden dürfen dann nicht vom Lohn abgezogen werden. Minusstunden aus eigenem Wunsch, etwa für einen Arzttermin ohne Freistellungsanspruch, können dagegen auf dem Arbeitszeitkonto verrechnet werden, wenn ein solches vereinbart ist.
Monats- oder Wochenwerte?
Beides funktioniert, solange Soll und Ist zum selben Zeitraum gehören. Wer im Vertrag nur Wochenstunden findet, rechnet für einen Monat mit Wochenstunden × 4,33: 39 Wochenstunden ergeben 169 Monatsstunden. Den Stundenlohn aus dem Monatsgehalt liefert der Rechner Stundenlohn berechnen, die genaue Ist-Zeit pro Tag der Arbeitszeitrechner.
Überstunden nachweisen und rechtzeitig einfordern
- Dokumentieren: Kommt es zum Streit, muss der Beschäftigte darlegen, an welchen Tagen er wie lange gearbeitet hat – und dass der Arbeitgeber die Mehrarbeit angeordnet, gebilligt oder zumindest geduldet hat. Ein sauber geführter Stundenzettel ist dafür Gold wert.
- Fristen beachten: Vergütungsansprüche verjähren nach drei Jahren, gerechnet ab Ende des Jahres, in dem sie entstanden sind. Viele Arbeits- und Tarifverträge enthalten aber Ausschlussfristen von drei bis sechs Monaten, nach denen Ansprüche verfallen.
- Höchstgrenzen: Auch mit Überstunden darf die Arbeitszeit 10 Stunden am Tag grundsätzlich nicht übersteigen – siehe Arbeitszeitgesetz.
Steuern auf Überstunden
Überstundenvergütung und Überstundenzuschläge sind normaler Arbeitslohn und werden voll versteuert. Steuerfrei nach § 3b Einkommensteuergesetz sind innerhalb bestimmter Grenzen nur Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit – zum Beispiel 25 % für Arbeit zwischen 20 und 6 Uhr und 50 % für Sonntagsarbeit, bezogen auf einen Grundlohn von höchstens 50 € pro Stunde.
Häufige Fragen
Wie berechnet man Überstunden?
Ist-Arbeitszeit minus Soll-Arbeitszeit desselben Zeitraums. 46:30 Stunden gearbeitet bei 40 Stunden Soll ergeben 6:30 Überstunden.
Wie viel Prozent Zuschlag gibt es für Überstunden?
Gesetzlich ist kein Prozentsatz vorgeschrieben. In Tarifverträgen sind 25 % verbreitet, teils 30 bis 50 % für Wochenenden.
Wie berechne ich Überstunden bei Festgehalt?
Zuerst den Stundenlohn ermitteln: Monatsgehalt ÷ (Wochenstunden × 4,33). Diesen Wert mit den Überstunden multiplizieren und gegebenenfalls den Zuschlag addieren.
Muss ich Minusstunden nacharbeiten?
Nur wenn Sie sie selbst verursacht haben und ein Arbeitszeitkonto vereinbart ist. Fehlt Arbeit aus betrieblichen Gründen, trägt der Arbeitgeber das Risiko.
Wie lange kann ich Überstunden einfordern?
Grundsätzlich drei Jahre ab Jahresende. Ausschlussfristen im Arbeits- oder Tarifvertrag können diese Zeit auf wenige Monate verkürzen.
Sind Überstundenzuschläge steuerfrei?
Normale Überstundenzuschläge nicht. Steuerfrei sind nur Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit nach § 3b EStG in den gesetzlichen Grenzen.